Arbeitsnehmer Kündigung wegen Fettleibigkeit


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Arbeitsnehmer Kündigung wegen Fettleibigkeit
Arbeitsnehmer Kündigung wegen Fettleibigkeit,

Arbeitet ein Mitarbeiter eine längere Zeit in einem Betrieb, dann bedarf es einer Begründung, die darlegt, weshalb der Arbeitsgeber den Arbeitnehmer kündigt. Ist diese Begründung nicht hinreichend dargelegt, dann kann eine Kündigung durch eine Kündigungsschutzklage unwirksam werden. Doch ab wann ist eine Kündigung im Fall von Adipositas, also der Fettleibigkeit, berechtigt?

Kündigung wegen Fettleibigkeit

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf musste darüber entscheiden, ob eine Kündigung eines Gartenbaubetriebes wegen Fettleibigkeit begründet wird.

Konkret arbeitete der Angestellte seit 1985 im Bereich Landschafts-, Kanal- und Tiefbau, Pflaster- und Pflanzarbeiten sowie in der Grünflächenpflege. Da der Arbeitnehmer jedoch etwa 200kg wog empfahl der Arbeitgeber eine Gewichtsreduktion die der Angestellte im Februar 2014 folgte. Da nach einem Jahr keine Gewichtsreduktion festgestellt werden konnte kündigte der Arbeitsgeber daraufhin das Arbeitsverhältnis ordentlich zum 28.2.2016.

Fettleibigkeit als Kündigungsgrund

Als wesentliche Gründe gab der Arbeitgeber an, dass der Arbeitnehmer wesentliche Aufgaben nicht ausführen kann, die für die Beschäftigung jedoch unabdingbar sind. So sei der Arbeitnehmer nicht in der Lage einen Kleinlastwagen zu fahren und auch Arbeiten in einem schmalen Graben seien durch die Körperfülle nicht möglich. Auch auf einer Leiter kann der Beklagte nicht stehen, da diese ein maximal zulässiges Gewicht von 150kg besitzen.

Kündigungsschutzklage

Der Angestellte klagte daraufhin von dem Arbeitsgericht Düsseldorf (ArbG Düsseldorf, Urt. v. 17.12.2015 - 7 Ca 4616/15) mit der Begründung, dass er durch seine Fettleibigkeit als (schwer-)behinderter Mensch anzusehen sein. Auch gab er an, dass die Fettleibigkeit (Adipositas) für die Kündigung mündlich mitgeteilt wurde. Diese Argumentation verneinte er jedoch, da er durchaus seine vertraglich geschuldete Arbeitsleistung erbringen könne. Aufgrund der Benachteiligung durch seine Behinderung verlangte er jedoch zusätzlich eine Entschädigung von 6000 Euro.

Entscheidung des Arbeitsgerichts

Das Gericht entschied, dass die Kündigung nicht rechtmäßig ist, jedoch wurde dem Arbeitnehmer auch die Entschädigung nicht zugesprochen. Beide Parteien entschieden, vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf in Berufung zu gehen.

Berufungsverhandlung und Urteil

In der Berufungsverhandlung vom 27.7.2016 stellte das Gericht nochmals fest, dass die Kündigungsschutzklage des Arbeitnehmers erfolgreich ist und argumentierte, dass die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers nicht hinreichend durch die Körperfülle und die Fettleibigkeit vermindert ist. So konnte das Gericht nicht erkennen, dass die geschuldete Arbeitsleistung nicht ganz oder teilweise erfüllt werden kann.

Demgegenüber sah die Kammer keinen Grund für eine Entschädigung. Diese setzt voraus, dass entsprechend der Rechtsprechung des Gerichtshofes der Europäischen Union eine Behinderung vorliegt. Diese wäre begründet, wenn durch die Fettleibigkeit der Betroffene langfristig nicht am Berufsleben teilhaben kann. Da der Arbeitnehmer jedoch darlegte, dass die Kündigung ungültig ist, da er alle geschuldeten Tätigkeiten ausüben kann, liegt eine entsprechende Behinderung aus Sicht der Kammer nicht vor.